Samstag, Januar 22, 2005

Bewölkt und Spaß dabei


Die aktuelle Lage an der Wetterfront: Heute überwiegend bedeckt - wie herrlich. Das heißt, es ist mal ein bißchen kühler - auch wenn der örtliche Wetterbericht mahnt, trotzdem brav die Sonnencreme zu schmieren. Mein akuter Druckluftmangel hat mich bewogen gleich morgens das Internet-Orakel zu befragen und siehe da: ein vielversprechender Rennradshop bloß ein paar Kilometer Richtung Norden. Dadurch hab ich mal wieder ein paar Vororte gesehen und die Segnungen der Satellitennavigation genossen. "Renegade-Cycling" hatte denn auch tatsächlich die kleinen Pannenhelfer vorrätig - von wegen alles vom Weihnachtsmann verschleppt. Dazu ein ganzer Laden voller toller Fahrrad-Sachen, was sich so heimisch angefühlt hat, dass ich schon leichte Anflüge von Konsumrausch gespürt habe. Wie die Made im Speck oder das Mädchen im Schuhgeschäft. Zu Schade, dass die wichtigen Sachen schon dabei hab und für alles andere kein Platz im Gepäck ist. Doppelt schade, dass die heimliche Spekulation nicht aufgeht, dass dank muskulösem Euro-Kurs die Spielsachen hier spottbillig sein könnten: Preise wie in Deutschland und ein bißchen höher. Trotzdem ein schöner Ausflug, der sogar das schier unmögliche zu bieten hatte: ein Stück halbwegs ebene Straße, auf der ich beruhigt feststellen konnte, dass ich doch noch ein bißchen Fahrrad fahren kann. Die Kraxeleien der letzten Tage haben schon ein bißchen am Selbstvertrauen genagt. Inzwischen macht aber sogar das beinahe Spaß. Vor allem lernt man die Abfahrten zu schätzen. Heute ging's eine Hauptstraße runter - prima Asphalt, weit einsehbare Kurven, breiter Fahrradstreifen - bei 71km/h hab ich dann trotzdem mal ein bißchen gebremst.
Außerdem hatte ich die Gelegenheit mal wieder die Kamera ins geröstete Gesicht zu halten. Nachdem die Nicht-Heloisa neulich ja schon zu berichten wußte, dass ich "derzeit leicht merkwürdig" aussehe, hier der Beweis, warum es mit Recht nicht zur "Sünde" kommen konnte...



Ist ja erschreckend, wie das aussieht, wenn man das Spiegeldings von der Brille entfernt. Gut, dass mich hier keiner kennt und den "Sydneysidern" (so offenbar der korrekte Ausdruck für Sydneyer, Sydneyoten, Sydneyiten und so weiter) der Anblick in Kürze erspart bleibt.

Aber die Australier denken wenigstens an uns ältere Herrschaften - hier kriegen wir unseren eigenen Fußgängerüberweg.



Da wird man doch mit Freude alt, denn am entspanntesten läßt sich das hier so angehen:



Ach ja, und dann hätte ich noch einen Nachtrag zum Thema links fahren.



Das geht mittlerweile wie geschmiert, sogar wenn grad kein Auto als Anhaltspunkt zu sehen ist, bleib ich brav auf der hier richtigen falschen Seite. Eine Herausforderung bleibt noch der gemeine Kreisverkehr. Beim ersten Versuch neulich war ich noch leicht abgelenkt und bin zwar auf der richtigen Seite gefahren, nur leider in der falschen Richtung. Gleich zwei einheimischen Autofahrern hab ich dabei einen spannenden Moment verschafft. Da können diese Australier mal sehen, wie schwierig das ist, wenn sie mal in der richtigen Zivilisation Auto fahren müssen, wo Radfahrer gegen den Uhrzeigersinn kreiseln!
Übrigens zeichnet sich der australische Autofahrer ohnehin durch einen eklatanten Mangel an Selbstbewußtsein aus. Wo der deutsche KfZ-Dirigent längst die Sinfonie für Hupe und aggressives Gebrüll anstimmt - oder gleich versucht durch entschlossenes Schneiden und Abdrängen für fahrradfreie Straßen zu sorgen - hält der Australier wehleidig Abstand, verzichtet auf den Nervenkitzel rasanter Überholmanöver im Zentimeterabstand und nimmt gar mehrere Sekunden Fahrzeitverzögerung in Kauf, nur um das Leben des verschwitzten Fahrradtouristen zu schonen - alles Weicheier.
Das einzig echte Risiko stellt die einheimische Tierwelt dar. Nein, nicht die giftigsten Schlangen der Welt, die bekanntlich in Australien leben, nicht boxende Känguruhs oder heimtückische Koalabären - die örtliche Vogelwelt ist gewöhnungsbedürftig. Die Kameraden produzieren Geräusche von kreischendem Kind bis "irgendwas rattert in meinen Hinterradspeichen". Da schreckt man manchesmal hoch oder ist so abgelenkt, dass man beim Abbiegen doch wieder eine Rechts/Links-Schwäche entwickelt...

Morgen zeigt der Kompass Richtung Westen. Sozusagen als "Prolog" ist der Plan, einen Ausflug in die Blue Mountains anzugehen. Derzeit spricht der Wetterbericht aber noch von Schauern und Gewittern. Mal gucken, wie's morgen aussieht.

2 Comments:

Anonymous Anonym said...

Moin Moin
Ich freue mich schon immer tierisch auf Deinen nächsten Bericht! Macht super Spaß die Berichte zu lesen!
Viel Spaß noch weiterhin!
Gruss Schillerlocke

22. Januar 2005 um 17:10  
Blogger MiriamSt said...

Das mit dem links und rechts und falsch rum in eine vierspurige strasse fahren, kenn ich gut aus england.

Aber wie du richtig bemerkt hast, herrscht in europa noch das recht des stärkeren. Will man aus dieser kriegerischen situation wieder in die ruhigen gefilde einer mehrspurigen strasse einbiegen, wird man in ja meist noch von mit stöcken bewaffteneten älteren mitmenschen´oder nordic-walkern aufgehalten, die der zwangsneurose verfallen sind, dass man nur auf DEN weissen streifen die strasse überqueren darf. Tststs.

Woher der aussi also die ruhe nimmt, um der gefahr eines geisterradfahrenden krebsroten germanen zu begegnen, und ihn weder zu erlegen noch anzuhupen, wird mir auf immer ein rätsel bleiben.

24. Januar 2005 um 18:09  

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