Freitag, Januar 21, 2005

Bröööhöööö - Wildnis am Ruhetag

Heute ist erstmal Ruhetag. Scheint mir eine ganz gute Idee, nachdem ich es mir gestern wohl doch mehr besorgt habe, als zunächst angenommen. Kaum dass ich mit dem Blog fertig war, hatte ich eine Schlafattacke der heftigen Sorte. Ich hab's grad noch ins Bett geschafft und bin dann ohnmachtsartig eingeschlafen. Die Kombination aus Jetlag, Temperaturschock und ungewohnter Sonneneinstrahlung - da sollte man die Belastung wohl etwas langsamer steigern. Also erstmal Finger weg vom Rad und einen ruhigen Stadtbummel eingelegt.
Dabei habe ich gelernt, dass offenbar auch der Australier selbst gern die Birne aus der Sonne hält, denn die Bahn-Station "Town Hall" hält mitten in einem der größten Indoor-Einkaufszentren, die ich je gesehen habe. Von aussen (wenn man es erstmal geschafft hat wieder raus zu kommen) sieht das wie eine ganz normale Einkaufspassage aus, innen aber erstreckt sich das ganze über mehrere Häuserblocks und Etagen, so dass man als Mann fragt: "Gibt es wirklich so viele verschiedene Dinge, die man brauchen könnte, um so viele verschiedene Läden damit voll zu stellen?", während die Frau fragt: "reichst Du mir mal schnell die Kreditkarte, Schatz?".
Gut, ein bißchen was hätte ich auch gern gekauft. In einem entzückenden Fahrradladen wollte ich planmäßig Druckluftpatronen kaufen, mit denen man nach ner Panne einen Reifen in Sekundenschnelle wieder befüllen kann. Tolle Erfindung, die man leider nicht im Flieger transportieren darf. Schlauerweise hab ich nicht nur meine Patronen zuhause gelassen, sondern auch den Adapter zum Anschluß ans Fahrradventil, da ich dachte, in diesem exotischen Australien passen die Patronen eh nicht zu meinem deutschen Adapter. Man ahnt es schon: Druckluftpatronen gibt es hier zu hauf, originalverpackt aus Deutschland importiert. Nur die passenden Adapter sind ausverkauft. Die waren dieses Jahr der absolute Renner im Weihnachtsgeschäft und der Importeur hat keine Ahnung, wann es wieder welche (aus Deutschland) gibt. Spitze - meiner hätte gepasst. Wenn ich demnächst also eine Panne habe und mit meiner Minipumpe im Bleistift-Format rumhampele, werde ich wehmütig an all die australischen Weihnachtsbäume denken, unter denen meine Ausrüstung gelandet ist...

Zum Abschluß hab ich mich dann nochmal kulturell umgetan: Im "Outback-Center" in Darling Harbour ein bißchen Aborigine-Kunst einschnupfen. Ansonsten gibt's in Sydney schließlich keine Spur von Ureinwohnern zu sehen. Neben der Kunst (ja, hübsch, hmm, macht sich vor allem als T-Shirt-Aufdruck gut...) hab ich mir vor allem mal das örtliche Didgeridoo-Angebot angeschaut. Wer's nicht kennt: Das traditionelle Musikinstrument der Eingeborenen. Ein langer hohler Knüppel, in den man oben reinbläst, damit unten sowas wie "Brööööööhöööööhööööö" rauskommt. Diesen "Sound of the Outback" beschallt das "Outback-Center" auch per Aussenlautsprecher, so dass ich beim Näherkommen noch dachte: "Oh Jungs, Eure Boxen sind aber mächtig im Arsch..."
Na ja, vermutlich muß man total eins mit Mutter Erde sein und Vegetarier, um die urtümliche Kraft dieser Musik nachfühlen zu können... bei mir hat's nur dazu gereicht, das Hintergrundgebrumm eine Weile ganz ulkig zu finden und ich habe darauf verzichtet, die 90-Minuten-CD für die Bürobeschallung zu erwerben...
Das Highlight war allerdings die Verkaufsvorführung des Didgeridoo-Fachverkäufers, der einem älteren Pärchen die Unterschiede der verschiedenen Modelle erläutert hat. Zuerst die etwas günstigere "Economy"-Version für 220 Dollar: "Bröööööhöööööhööööö", dann im Gegensatz dazu die de-Luxe-Ausgabe für 450: "Bröööööhööööööhöööö", und dann noch ein besonders ausgefallenes Stück: "Brööööööhööööhööööö"...

Natürlich hätte ich pflichtgemäß gerne ein Foto vom Didgeridoo mitgeliefert, aber der weise alte Eingeborene sagt: "Wer die Schönheit von Mutter Erde und die Wunder ihrer Bewohner festhalten will, muß die Speicherkarte in die Kamera stecken und nicht im Laptop vergessen..." - Also gibt's stattdessen einen Ureinwohner aus dem Bildfundus von gestern: Känguruh gefällig?



Ach ja, und dann wollte ich mich noch für die vielen Kommentare bedanken. Da macht das hier ja gleich doppelt Spaß. Also selber Schuld, wenn mancher Eintrag hier länger wird, als unbedingt nötig ;-)

3 Comments:

Blogger not_heloïsa said...

...vergessen wir mal die anfaenglichen vorurteile ueber profilneurotiker und stellen fest: so ein online-tagebuch ist ne dolle sache...schon morgens gespannt sein, was dieser zurzeit leicht merkwuerdig aussehende herr so von sich gibt...australien so nah wie nie!

21. Januar 2005 um 09:42  
Blogger swantje said...

Zum Thema Verkaufsvorführung:
"Jo, wenn der Lambada net dabei gwese wär hätt' isch's Gerät net gnomme!"

Macht Spaß, an Deiner Reise teilzunehmen, M. le philosoph,

grüße Dich aus dem kalten Hamburg,
Swantje

21. Januar 2005 um 11:21  
Blogger MiriamSt said...

Noch nicht mal aus der stadt und schon jammern.

Die geschichte mit den adaptern ist natürlich unglaublich ärgerlich, wo noch nicht mal abschließend geklärt ist, ob der australier überhaupt schläuche in den reifen hat oder ob er statt dessen sand einfüllt.
Oder fosters.

Und bei den hüpfetierchen... vielleicht trifft du mal welche auf der strasse und kannst ne weile mit ihnen springen. Soll ja ein wahhhhhhhhhhhnsinn gefühl sein.

Ich wünsch dir gute beine für die nächste etappe, m.

21. Januar 2005 um 14:57  

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